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Mitteilung der SP Frauen Schweiz vom 13.10.2015

 Auch Sie können die Schweiz mitgestalten: Gehen Sie wählen!

SP Frauen«Frauen verlieren die Lust an der Politik», «Der Vormarsch der Frauen stockt»… In letzter Zeit häufen sich solche Schlagzeilen in den Schweizer Medien. Am 19. Oktober werden wir wohl leider mit dem schlechten Gefühl erwachen, einen Rückschritt im Frauenanteil in den Parlamenten gemacht zu haben. Die Vertretung der Frauen, schon jetzt alles andere als ausgewogen, wird voraussichtlich weiter sinken. Die Umfragen zeigen klar: Die Rechte wird gewinnen. Und wenn die Rechte gewinnt, verlieren die Frauen.

Wieso sind wir heute nicht weiter? 44 Jahre nach der Einführung des Frauenstimmrechts - oder vielleicht sollten wir eher sagen, nach dem Ende eines Männerprivilegs. 31 Jahre nach der Wahl der ersten Frau in den Bundesrat. Und nach einer kurzen Frauenmehrheit im Bundesrat.

m boehlen

Marie Boehlen (1911-1999)
Militante Frauenrechtlerin


Es ist nicht wegzudiskutieren, die Politik bleibt eine von Männern beherrschte Domäne. Die Frauen tun sich schwer, ihren Platz darin zu finden, vor allem auf der rechten Seite der politischen Arena. Und wenn sie es schaffen, stossen sie auf hohe Hürden. Werden sie interviewt, geht es selten um grundlegende Fragen. Vielmehr werden sie gefragt, wie sie es einrichten, an eine Sitzung zu kommen, wo sie doch kleine Kinder zu Hause haben. Man fragt sich, ob die weibliche Sensibilität den männlichen Angriffen standhalten kann. Ganz zu schweigen von den technischen Aspekten der Dossiers!

Statt das Funktionieren der Politik und der Familienrealitäten an sich in Frage zu stellen, suchen die Medien nach Erklärungen biologischer Art. Wenige Tage vor den Wahlen bedauert man, beklagt die wenigen Kandidatinnen, stellt Fragen. Vielleicht hat es mit dem spezifisch weiblichen Mangel an Selbstvertrauen zu tun? Oder man betont die grosse Arbeitsbelastung im Ständerat, was die Frauen grundsätzlich abhalte, weil sie bereits mit Beruf und Familie zu viel zu tun hätten.

Wenn wir eines Tages auf allen politischen Ebenen eine ausgeglichene Vertretung unserer Gesellschaft erreichen wollen, braucht es eine Bewusstseinsbildung. In erster Linie in den Parteien, die ihren weiblichen Nachwuchs pflegen und die gewählten Frauen ebenso unterstützen müssen wie die männlichen Ratsmitglieder. Auch die Medien spielen bei dieser Bewusstseinsbildung eine wichtige Rolle. Die Netzwerke müssen auch für Frauen offen sein und stärker gebildet werden.

Für die kommenden Wahlen sind die Würfel bereits gefallen. Die Frauen, so befürchten wir, werden verlieren. Hoffen wir zumindest, dass dieser Rückschritt eine neue Mobilisierung auslöst.

Heute wollen wir jedoch erfolgreiche Frauen ins Zentrum rücken: Es gibt in unserem Land zahlreiche Frauen, die sich in der Politik engagieren und grosse Verantwortung übernehmen. Die mit Dossiers betraut sind, egal ob technisch oder nicht. Die sich nicht scheuen zu debattieren und die Klingen mit ihren Amtskolleginnen und -kollegen zu kreuzen und mit Angriffen auf ihre Person und Arbeit umgehen können.

Wenn wir das Image der Frauen in der Politik ändern und vor allem den Rückgang der sich engagierenden Frauen bremsen wollen, ist es Zeit, dies mit positivem Geist zu tun. Frauen in den Vordergrund zu rücken, die sich engagiert haben oder immer noch engagieren, die ihre Leidenschaft teilen und etwas bewegen können!

Deshalb veröffentlichen wir ab heute und bis am 18. Oktober Porträts von engagierten Frauen, die die Gesellschaft mit ihrem politischen Engagement weiterbringen oder weitergebracht haben. Und am 19. Oktober nehmen wir die Alltagsarbeit wieder auf. Damit eine ausgewogene Vertretung der Frauen in der Politik nicht mehr ein Dauerthema, sondern endlich schlicht eine Tatsache ist.

Termine

14. Juni 2018
50 Jahre Frauenstimmrecht BL
Ort: Liestal

28. Mai - 15. Jun 2018
Sommersession
Ort: Bern